Das Land Schlaraffia - Bestell-Nr.: 104 - Preis: 10,-- Euro
von Tilo Gernert
Es gibt ein Land, Ihr werds erkennen, ich will es Land Schlaraffia
nennen
das vor über 50 Jahren, nachdem es Leid und Not erfahren
die braunen Götzen dann entschwanden, ist aus Ruinen auferstanden
Trümmerfraun im ganzen Land, klopften Ziegelsteine blank
Lohnfortzahlung, Urlaubsgeld ein Fremdwort in der Nachkriegswelt
der Rest der Männer kehrte heim, man richtete sich
notdürftig ein
ein Zimmer mit nen Ofen drin, wos Wasser nicht durchs Dach reinging
war damals ein Himmelreich, die Menschen klapperdürr und bleich
kannten keinen Herzinfarkt, fast niemand war da Zuckerkrank
wer noch lebte , Gott sei Dank, freute sich an kleinen Dingen
die heut ein müdes lächeln bringen
achtzig, neunzig Stund die Woche schafften manche ohne Zwang
und aufwärts ging es Jahr um Jahr, es dauerte verdammt schon lang
die bleichen Wangen langsam schwanden, neue Häuser sind entstanden
auf einmal war ein Käfer da, mit dem gings nach Italia
Das Wirtschaftswunder rollte an und dicker wurd so mancher Mann
man brauchte nicht mehr karg zu essen, man konnt sich`s leisten
konnte fressen, ein neues Wort drang an die Ohren
die Managerkrankheit war geboren
Zuerst erwischte es die Reichen,nicht die Dürren und die Bleichen
doch die kamen später dran je nach Sünden, ob Frau, ob Mann
Auch mit den Löhnen gings bergauf, zuerst packte man Pfennig drauf
eine Mark die Stund dann ne Mark zehn, das war gut und das war
schön
Arbeitskräfte waren knapp, die Löhne wurden hochgetrieben
die Preise auch, das ist normal, jeder Seite war`s egal
Erfolg um jeden Preis mußt her, man kannte keine Grenzen mehr
Hatte Sonntags man gelumpt, am Montag einen dicken Schädel
genügte ein Anruf, ich bin krank, der Chef war da der Blödel
Auch die Chefs warn finanzstark , machten manche schwarze Mark
wer will da ohne Sünde sein , der werfe den ersten Stein
Manchem war sein Job egal, es ging bergab mit der Moral
null Bock, war ein geflügelt Wort, plötzlich war die
Arbeit fort
Unsre ersten Arbeitslosen, man kannte sie ja hier am Ort
die waren damals nicht geknickt, im Gegenteil, sie sahns als Sport
konnten schlafen in die Puppen und dann vor der Glotze glucken
Geld war eh genügend da, kurzum, daß Land Schlaraffia
die Töpfe waren prall gefüllt, die D-Mark rollte in
Milliarden
da knickte ein die Konjunktur, was wenige erwartet hatten
die echten Arbeitslosen kamen, sprengten den finanziellen Rahmen
Jahrzehntelang hatten Schlitzohren, die für die Arbeit nicht
geboren
die prallen Töpfe leergenascht, lieber gesoffen und gehascht
wagte gar einer zu behaupten, wir hätten auch Scheinarbeitslose
dem fuhr man kräftig an den Kragen, sowas ging sehr schnell in die
Hose
dann sind die Grenzen noch gefallen, ein wahres Glück doch
für uns
allen
Doch Angebot und Nachfrage gilt auch für die Arbeitskraft
und so stand der Arbeitslohn unter Druck, fast über Nacht
schmerzlich wird es für uns werden, die nächsten Jahr zu
überstehn
bis im Osten drüm die Löhne gleichen sich auf unsreHöhn
doch ein Jammern fängt nun an, weil man es nicht fassen kann
das die fetten goldnen Zeiten, vorüber sind und alle streiten
jeder kämpft um seine Pfründe, keiner beging eine Sünde
stets die andern warn die Bösen, die den Sozialstaat
ausgesaugt
und unersättlich sind gewesen.
Im Fernsehn sitzt ne junge Mutter, alleinerziehend, arbeitslos
die sich lauthals dort empört, daß Sozialamt zahlt zuwenig
Moos
mit 2ooo Mark im Monat, da käme sie nicht zurecht
da wird es einer Frau die schafft vor Wut so richtig schlecht
sie buckelt oft für weniger ein ganzes Monat lang
wer da noch schafft, ist selber schuld
doch wer faßt die heißen Eisen an
Wagt ein Politiker es gar, den Wildwuchs zu beschneiden
hagelts Protest und nicht zu knapp, bissig von allen Seiten
`Wer geht heute noch in die Kirche, ein Bruchteil der
Bevölkerung
doch soll ein Feiertag entfallen für die Pflegeversicherung
da sind sie plötzlich alle Christen die der Vorschlag in Rage
bringt
obwohl sie vielleicht vor Jahren schon aus der Kirch ausgetreten sind
Sollen die Rentner Beitrag zahlen für die Krankenkassen
da knurren die grauen Panther, denen tut das gar nicht passen
Mancher Rentner hat heut mehr, wie mancher junger Vater
und der muß Kinder miternähren an allen Ecken spart er
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und sich über hohe Steuern lauthals noch beschweren
für ihre Renten sollen dann die Kinder andrer sorgen
sie tanzen ums goldne Kalb und denken nicht an morgen
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was einem geschiednen Manne blüht, was nach dem Gesetz er zahlen
muß
da kommt ein Kluger zu dem Schluß, Familienplanung mit Geduld
wer heut noch heirat ist selber Schuld
während er schuftet Tag und Nacht, sich sein Nachfolger ins
Fäustchen lacht
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und so könnt man weitermachen, Zustände oft nicht zum
lachen
die langsam sich hier eingenistet, vieles gehört da ausgemistet
zieht man daraus ein Resümee, Schlaraffenland, du bist passe
löchrig wird die Hängematte, dünner auch die warme Watte
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und jeder muß Farbe bekennen, will er wirklich wieder jobben
oder das Arbeitsamt nur foppen. Irgendwas muß dann geschehn
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Helau